A. Fallbeschreibungen (mit WinKonz-Rechtschreibtraining)
1. Julia, 9 Jahre, 4. Klasse Grundschule
Julia (Name geändert) kam Ende der 3. Klasse wegen Schulschwierigkeiten
zu mir. Während des gesamten 4. Schuljahres führte ich mit ihr
regelmäßig das Konzentrations- und Rechtschreibtraining für
Schüler (KuRTS) durch.
Ausgangssituation am Ende der 3. Klasse
Die Eltern berichteten mir, Julia habe bei Diktaten fast immer
die Note 6. In Mathematik seien die beiden letzten Tests 5 und 6 gewesen.
Seit einem Jahr sei sie in der Schule schlechter geworden. Sie denken,
weil die Lehrerin ihre Tochter nicht leiden könne. Julia sei auch
sehr zurückhaltend.
Nach dem Gespräch mit den Eltern lernte ich das Mädchen
kennen und führte mit ihr verschiedene psychologische Tests durch.
Julia erzählte mir, sie finde Schule blöd, vor allem Mathematik
und Deutsch. Auch werde sie von Klassenkameraden gehänselt.
Bei den psychologischen Tests stellte sich heraus, dass ihre
Intelligenz im unteren Durchschnittsbereich lag. Die Konzentrationsleistung
war unterdurchschnittlich. Beim Lesen und Schreiben erzielte sie Ergebnisse
im unteren Durchschnittsbereich. Auffallend war ihre hohe Ängstlichkeit.
Sowohl ihre Prüfungsängste und die allgemeine Ängstlichkeit
waren überdurchschnittlich ausgeprägt. Gleichzeitig versuchte
sie sich sozial erwünscht zu verhalten, das heißt, es jedem
Recht zu machen.
Ich sprach auch mit Julias Lehrerin. Sie überlegte sich,
ob sie Julia die 3. Klasse wiederholen lassen sollte. Sie entschied sich
für die Versetzung in die 4. Klasse. Dabei war vorgesehen, dass das
Mädchen ab dem 2. Halbjahr zurück in die 3. Klasse gehen sollte.
Sie erzählte mir: Auch beim Abschreiben mache Julia Fehler. Vor dem
Hinschreiben überlege sie lange. In Mathematik gebe es vor allem Schwierigkeiten
beim Zehnerübergang und auch bei anderen Aufgabentypen. Julia brauche
häufige Bestätigung von ihr, der Lehrerin. Julia sei sehr unsicher.
Sie habe auch positive Seiten: Sie könne gut Gedichte lernen und versuche
auch, Fortschritte zu machen. Sie sei zugänglich.
Durchgeführte Maßnahmen
Mit Julia wurde dann in der gesamten 4. Klasse das Konzentrations-
und Rechtschreibtraining für Schüler (KuRTS) durchgeführt.
Sie hatte Einzelförderung. Insgesamt kam sie 38 mal für je eine
Stunde. Da sie zu Hause keinen Computer hatte, konnte sie dort nicht zusätzlich
üben.
Zu Beginn lernte Julia auch das Autogene Training kennen.
Bei WinKonz wurden folgende Aufgabentypen durchgeführt:
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad |
Übungsmaterial |
Zeitdauer |
| T1: Hören |
Könner |
Buchstaben |
3 Minuten |
| T2: Rechnen 2 (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) |
Anfänger |
Zahlen |
5 Minuten |
| T3: Rechtschreibung (Deutsch) |
Anfänger |
Buchstaben |
9 Minuten |
| T4: Nullen |
Könner |
Buchstaben und Zahlen |
3 Minuten |
Mit Julia wurden ihre häufigsten Rechtschreibfehler z.B. Groß-
und Kleinschreibung besprochen. Entsprechende Tipps wurden gegeben.
In manchen Stunden wurde zusätzlich das kleine Einmaleins, vor
allem die 6er, 7er, 8er und 9er Reihe geübt.
Am Ende der Stunde war meist noch Zeit für ein Spiel. Julia durfte
sich aussuchen, welches Spiel sie spielen wollte.
Situation am Ende der 4. Klasse
Julia musste nicht in die 3. Klasse zurück. Die Noten verbesserten
sich langsam aber sicher. Mit den Verbesserungen einher ging, dass sie
zu ihrer eigenen Überraschung mehr Ansehen bei den Klassenkameraden
fand.
Besonders nach dem 1. Halbjahr waren die Verbesserungen so deutlich,
dass sie am Ende der 4. Klasse in Deutsch und Mathematik eine 3 als Note
hatte. In den anderen Fächern hatte sie noch bessere Noten als 3.
Der Notendurchschnitt hätte nun gereicht für einen Übertritt
in eine weiterführende Schule.
Julias WinKonz-Ergebnisse:
Legende: Die ersten Ergebnisse wurden alle mit 100% gleichgesetzt.
Beim letzten Mal erzielte sie bei T1: 169%; T2: 200%; T3: 196%; T4: 328%;
Gesamt: 223%. Gerade beim Rechnen (T2) und Schreiben (T3) erreichte sie
eine Verdopplung der Punktzahl.
Nachtrag: Nach 2 1/2 Jahren hatte ich wieder Kontakt zur Mutter. Julia war jetzt
13 und besuchte die 7. Klasse. Sie zeigte mir die letzten Zeugnisse von Julia.
Sie hat lauter Zweier und Dreier. Es findet sich keine Vier mehr, geschweige
denn eine Fünf. Sie sei selbständiger geworden und äußere als Berufswunsch,
Erzieherin zu werden.
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2. Sophia, 11 Jahre, 6. Klasse Realschule
Ausgangssituation
Sophia (Name geändert) kam Ende der 5. Klasse zu mir. Sie habe
Probleme bei Diktaten, bei denen sie aufgeregt sei. Wenn mehr als eine
Arbeit in der Woche geschrieben werde, träume sie nachts davon und
wache auf. Bei Übungsdiktaten zu Hause mache sie regelmäßig
ein Drittel weniger Fehler als in der Schule. Sie habe auch Schwierigkeiten
in Englisch. Vor allem bei Vokabeltests mache sie viele Rechtschreibfehler.
In Mathematik klappe es besser. Da stehe sie auf 2. Mit Sophia führte
ich einen Rechtschreibtest für Deutsch durch. Für eine Realschülerin
erreichte sie ein durchschnittliches Ergebnis.
Übungen
Wir besprachen, dass sie bei mir mit Beginn der 6. Klasse das Autogene
Training kennenlernen werde und am Computer bestimmte Übungen durchführen
werde. Folgende WinKonz-Übungen wurden durchgeführt:
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad |
Übungsmaterial |
Zeitdauer |
| Training 1 (Suchen) |
Könner |
Zahlen und Buchstaben |
3 Minuten |
| Deutsch (Rechtschreibung) |
Könner |
Buchstaben |
7 Minuten |
| Englisch |
Anfänger |
Buchstaben |
7 Minuten |
| Training 4 (Nullen) |
Könner |
Zahlen und Buchstaben |
3 Minuten |
Sophia kam insgesamt 10 mal zu mir. Den WinKonz-Übungsverlauf über10
Sitzungen zeigt folgende Grafik:
Legende: Suchen = Training 1; Deutsch = Rechtschreibung
Deutsch; Englisch = Rechtschreibung Englisch; Nullen = Trainng 4; Gesamt
= Durchschnitt aller 4 Übungen
Wir besprachen im Laufe der Zeit einige für sie wichtige deutsche
Rechtschreibregeln, die sie noch nicht so beherrschte, damit sie auch mit
Hilfe von Regeln weniger Fehler machte.
Trainingsende
Beim 10. Termin führte ich mit Sophia nocheinmal einen vergleichbaren
Rechtschreibtest durch. Statt 13 Rechtschreibfehlern machte sie nur noch
9. Nach Aussage der Eltern sei ihre Konzentrationsfähigkeit besser
geworden. Bei schwierigen Aufgaben sage sie nicht mehr: "Das kann ich nicht!",
sondern versuche, die Aufgaben zu lösen. Die Situation in Englisch
habe sich entspannt.
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3. Aylin, 12 Jahre, 6. Klasse Hauptschule
Ausgangssituation
Aylin (Name geändert) kam Ende der 6. Klasse zu mir. Sie sei oft recht langsam und neige dazu schnell zu
vergessen, was sie gerade gelernt habe. Von Mutter und Tante erfuhr ich auch, dass sie unkonzentriert sei und auch
wenig Selbstbewusstsein habe. Ihre Noten lagen durchschnittlich bei 3, Mathematik falle ihr am schwersten. Vor
Prüfungen habe sie Angst. Wegen der Problematik sei sie bereits bei einem Kinder- und Jugendpsychiater gewesen.
Dieser habe Nachhilfe empfohlen, die auch etwas geholfen habe.
Vom Kinder- und Jugendpsychiater erfuhr ich, dass sie Anfang der 4. Klasse hauptsächlich wegen Kopfschmerzen bei ihm war. Damals lag ihre intellektuelle Begabung im unteren Duchschnittbereich. Er habe keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentration oder der Rechtschreibung gefunden. Vom Lehrer habe er erfahren, dass schulisch alles in Ordnung sei.
Ergänzend führte ich mit Aylin weitere Tests durch. Es ergab sich ein Förderbedarf für die Bereiche
Allgemeinwissen, Rechtschreibung, Addition, Kurzzeitgedächtnis und Prüfungsangst.
Übungen
Wir besprachen, dass sie bei mir eine Kurzform des Autogenen Trainings kennenlernen werde und am Computer bestimmte
Übungen durchführen werde. Folgende WinKonz-Übungen wurden ausgesucht:
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad |
Übungsmaterial |
Zeitdauer |
| Trainingsform 2, Addition (bis 11. Sitzung) |
Anfänger; später Könner |
Zahlen |
3 Minuten |
| Trainingsform 2, Rechnen (ab 12. Sitzung) |
Anfänger |
Zahlen |
5 Minuten |
| Trainingsform 3, Deutsch (Rechtschreibung) |
Anfänger; später Könner und Profi |
Buchstaben |
9 Minuten |
| Trainingsform 3, Merken |
Anfänger |
Zahlen |
5 Minuten |
| Trainingsform 4, Nullen |
Könner |
Zahlen und Buchstaben |
3 Minuten |
Aylin kam insgesamt 14 mal zu mir. Den WinKonz-Übungsverlauf über14 Sitzungen zeigt folgende Grafik:
Legende:Addition wurde bis zur 11. Sitzung durchgeführt, abgelöst ab der 12 Sitzung von Rechnen. Gesamt = Durchschnitt aller durchgeführten Übungen
Trainingsende
Ab der 9. Sitzung hörte ich immer wieder von Aylin, dass in der Schule alles gut sei. Sie könne sich beser konzentrieren und sich alles leichter merken.
Sie freute sich über eine 2 im Aufsatz und eine 2 - 3 in Mathematik.
Beim letzten Termin erzählte sie mir vom letzten Elterngespräch in der Schule.
Der Lehrer sei mit Deutsch zufrieden. Er empfahl mehr mitzuarbeiten und weniger zu schwätzen.
Wir besprachen, wie sie dies in Zukunft auch noch umsetzen kann. Wir sind uns einig, dass weitere Termine nicht mehr nötig sind.
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B. Fallbeschreibungen (mit WinKonz-Konzentrationstraining)
4. Claudio, 9 Jahre, 3. Klasse Grundschule
Elterngespräch
Claudio (Name geändert) kam in der dritten Klasse zu mir. Zwei
Monate nach Schulbeginn empfahl die Lehrerin den Eltern mit Claudio zu
einer Beratungsstelle zu gehen. Er sei unruhig und könne sich im Unterricht
nicht konzentrieren.
Die Eltern, die aus Italien stammten, machten sich viele Gedanken,
woran die Schwierigkeiten liegen könnten. Die Mutter achte auf eine
vollwertige Ernährung und passe auf, dass nicht zu viel fern gesehen
werde. Der Vater vermutete, sein Sohn habe zu wenig Bewegung. Im Gespräch
zeigte sich, dass sich die Mutter schon in der dritten Klasse viele Gedanken
machte, ob Claudio später mal auf's Gymnasium gehen könne.
Testergebnisse
Die Konzentrationsschwäche bestätigte sich auch in der testpsychologischen
Untersuchung. Mit hinzu kamen mangelnde Rechtschreibkenntnisse und Sorgen
bei Klassenarbeiten. Claudio ging nicht gerne in die Schule.
Behandlungsmaßnahmen
Mit Claudio wurde WinKonz durchgeführt. Die Durchführungszeit
für jeden der vier Aufgabentypen betrug 3 Minuten.
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad und Übungsmaterial zu Beginn |
Schwierigkeitsgrad und Übungsmaterial im Laufe der Zeit |
Zeitdauer |
| Training 1 (Suchen) |
Anfänger; Zahlen |
Profi, Zahlen und Buchstaben |
3 Minuten |
| Training 2 (Addition) |
Anfänger, Zahlen |
Könner, Zahlen |
3 Minuten |
| Training 3 (Merken) |
Anfänger, Zahlen |
Profi, Zahlen |
3 Minuten |
| Training 4 (Nullen) |
Anfänger, Zahlen |
Profi, Zahlen und Buchstaben |
3 Minuten |
Zu Beginn der Behandlung wurden die WinKonz-Aufgaben ganz leicht gehalten.
Im Laufe der Zeit wurden die Aufgaben je nach Fortschritt schwieriger.
Claudio kam insgesamt 18 mal zu mir. Die Ergebnisse 1 bis 7 erzielte
er innerhalb von 3 Monaten. Er pausierte für 6 Monate. Ab der Nummer
8 fanden noch einmal 11 Sitzungen statt. In der Grafik ist ein Leistungseinbruch
nach dem halben Jahr Pause deutlich zu erkennen. Den WinKonz-Übungsverlauf
über18 Sitzungen zeigt folgende Grafik:
Ergebnisse von Claudio
Legende: Trg 1 = Training 1; Trg 2 = Training 2; Trg
3 = Training 3; Trg 4 = Training 4; Gesamt = Mittelwert von Trg 1 bis Trg
4
Neben dem WinKonz-Training bot ich Claudio auch eine freies Spiel an.
Er konnte sich aus meinem Spielevorrat Spiele aussuchen, die er alleine
oder mit mir spielen konnte.
Eine Verbesserung trat bei Claudio innerhalb von 3 Monaten - das waren
7 Behandlungstunden - nicht nur in den WinKonz-Ergebnissen auf. Auch die
Eltern und die Lehrerin hatten Verbesserungen beobachtet. Auf Grund anderer
terminlicher Belastungen von Claudio wurde seine Behandlung für
6 Monate unterbrochen und dann weiter fortgesetzt. Er kam dann noch 11
mal in einem Zeitraum von weiteren 6 Monaten zu mir.
Erreichte Ziele
Die Eltern waren mit Claudios Entwicklung sehr zufrieden. Claudio arbeite
selbständig. Vor allem seine Note in Mathematik habe sich verbessert.
Besonders freuten sie sich auch, dass er die Empfehlung für die Realschule
bekam.
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5. David, 11 Jahre, 4. Klasse Grundschule
Aussagen der Eltern
David (Name geändert) besuchte die 4. Klasse, Grundschule. Die
Eltern kamen am Ende des Schuljahres, weil David im Unterricht nicht mitarbeitete.
In der letzten Mathematikarbeit habe er ein leeres Blatt abgegeben. Zu
Hause könne er den Stoff, aber in der Gruppe gehe er nicht aus sich
heraus. David sei extrem kurzsichtig.
Aussagen der Lehrerin
Er scheine nicht anwesend zu sein, reagiere auf Ansprechen nicht, brauche
lange zum Abschreiben, sei oft blockiert. Auch in Kopfrechnen habe er enorme
Schwierigkeiten. In der Klasse habe er schwer Anschluss gefunden. Er spreche
mit niemanden, störe seine Nachbarn.
Testpsychologische Untersuchung
Davids Begabung lag im unteren Durchschnittsbereich. Die Rechtschreibkenntnisse
waren stark unterdurchschnittlich, die Lesefertigkeiten unterdurchschnittlich.
Prüfungsängste und Schulunlust waren stark ausgeprägt. Gut
waren seine Ergebnisse beim räumlichen Vorstellungsvermögen und
seine Konzentrationsfähigkeit. Er machte wenig Flüchtigkeitsfehler.
Vorgehensweise
Für David wurde neben einer Förderung von Lesen und Rechtschreiben
auch eine Stärkung des Selbstvertrauens angestrebt.
Die Eltern wollten sich darum kümmern, dass er mehr lese. Ich
zeigte David und seinen Eltern auf, wie sie die NLP-Rechtschreibstrategie
zu Hause anwenden konnten. Dies geschah sehr regelmäßig und
mit großem Fleiß von David.
Für David wurden 3 WinKonz-Übungen ausgesucht, die er sechs
mal bei mir durchführte. Die Durchführungszeit für jeden
der drei Aufgabentypen betrug 3 Minuten.
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad |
Übungsmaterial |
| Training 1 (Suchen) |
Anfänger |
Buchstaben |
| Training 3 (Merken) |
Anfänger |
Buchstaben |
| Training 4 (Nullen) |
Anfänger |
Buchstaben |
David kam insgesamt 9 mal zu mir. Die WinKonz-Übungen wurden 6
mal durchgeführt. Den WinKonz-Übungsverlauf über 6 Sitzungen
zeigt folgende Grafik:
Ergebnisse von David
Legende: Gesamt = Mittelwert von Training 1 bis Training
4
Erreichte Ziele
Innerhalb von 8 Monaten verbesserte sich David kontinuierlich. Er bekam
auch mehr Spaß an den Hausaufgaben und an der Schule. David zeigte
sich motivierter, er tat freiwillig etwas für die Schule. Die
Noten in Mathematik verbesserte er auch. David kam selbst auf die Idee,
die NLP-Rechtschreibstrategie für englische Vokabeln anzuwenden. Als
die Verbesserungen sich 3 Monate lang stabil zeigten, wurde die Behandlung
beendet.
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6. Michael, 9 Jahre, 4. Klasse Grundschule
Ausgangssituation zu Beginn der 4. Klasse
Anfang des Schuljahres kam die Mutter auf Anraten des Lehrers
zu mir. Der Lehrer habe bei Michael (Name geändert) eine leichte
Rechtschreibschwäche
festgestellt. Der Lehrer und auch sie beobachten bei Michael, dass er nicht
oft bei der Sache sei. Bei den Hausaufgaben sei er nicht leicht zu halten.
Trotz schlechterer Rechtschreibnoten stehe er in Deutsch auf 3.
Nach dem Gespräch mit der Mutter führte ich mit Michael eine
testpsychologische
Untersuchung durch. Im Intelligenztest erzielte er ein Ergebnis im
unteren Durchschnittsbereich. Beim Lesen und Schreiben waren seine Ergebnisse
unterdurchschnittlich. Es zeigte sich im Angstfragebogen für Schüler,
dass Michael sehr ungern in die Schule geht. Die von der Mutter berichteten
Konzentrationsprobleme traten auch in der Testsituation auf. Von Michael
erfuhr ich auch, dass Hausaufgaben, vor allem, wenn er schreiben müsse,
anstrengend seien.
Bei all dem zeigten sich zum Glück keine Prüfungsängste.
Der Lehrer erzählte mir, die Leistungen und die Arbeitshaltung
von Michael machen Sorgen. Er wirke abwesend. Im Mündlichen zeige
er keine Eigeninitiative. Er habe keinen Freund in der Klasse. Er mache
manchmal einen bedrückten Eindruck. Sein Verhalten gegenüber
Erwachsenen sei unangemessen. Er habe nur ein geringes Selbstvertrauen.
Maßnahmen
Auf Grund all dieser Informationen wurde mit Michael das Konzentrationstraining
WinKonz kombiniert mit einer Spieltherapie durchgeführt.
Bei Winkonz wurden folgende 4 Trainings mit einer Zeitdauer von je 4
Minuten durchgeführt:
| Trainingsform |
Schwierigkeitsgrad |
Übungsmaterial |
| Training 1 (Suchen) |
Könner |
Buchstaben und Zahlen |
| Training 2 (Addition) |
Anfänger |
Zahlen |
| Training 3 (Merken) |
Anfänger |
Zahlen |
| Training 4 (Nullen) |
Könner |
Buchstaben und Zahlen |
Das Training 3 wurde nicht als Rechtschreibtraining (Deutsch) durchgeführt,
da es die Rechtschreibübung damals bei WinKonz noch nicht gab. Den
WinKonz-Übungsverlauf über13 Sitzungen zeigt folgende Grafik:
Ergebnisse von Michael
Legende: Trg 1 = Training 1; Trg 2 = Training 2; Trg
3 = Training 3; Trg 4 = Training 4; Gesamt = Durchschnitt aller 4 Übungen
Als Michael beim 4. mal ein sehr schwaches Ergebnis zeigte, führte
ich ab der 5. Stunde Belohnungen ein. Für jedes Training, bei dem
er eine Höchstpunktzahl erzielte, bekam er eine Mandarine. Ab diesem
Zeitpunkt war seine Motivation wie umgewandelt.
Veränderungen bei Behandlungsende
Nach etwa 4 bis 5 Monate konnte die Behandlung beendet werden. Die
Mutter gab an, es laufe in der Schule gut. Auch in Deutsch seien die Noten
besser geworden. Michael sei ehrgeiziger geworden. Mir gegenüber äußerte
er den Wunsch, Übungsdiktate durchzuführen.
Der Lehrer empfahl einen Wechsel in die Realschule, der auch stattfand.
In unregelmäßigen Abständen bekam ich in der Realschulzeit
von der Mutter weiterhin positive Rückmeldungen.
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